Rémi Ferment
Mein Arbeitstag in Wien beginnt mit dem Durchqueren der Haustür Kastnergasse 9 um 10 Minuten nach 6 Uhr. Nach einem kurzen Fußweg steige ich am Elterleinplatz in die „Bim“ (Straßenbahn), fahre zum Schottentor, steige dort in die U-Bahnlinie 2 ein und am Praterstern wieder aus. Nach einigen Minuten warten und einer „Melange-to-go“ (Kaffee) mit Blick auf das berühmte Riesenrad mit den roten Kabinen kommt der Bus, der mich zur Haltestelle Josef-Gall-Gasse bringt. Von da aus sind es nur noch wenige Schritte zur Tischlerei Burgstaller. Mit ca. 50 Minuten Pendelzeit liege ich leicht über dem Wiener Durchschnitt von 45 Minuten.
Um 7:00 ist Arbeitsbeginn in der Tischlerei Burgstaller. Zum Angebot des Betriebes gehört Möbelbau, wobei zum größten Teil europäische Hölzer, wie zum Beispiel Buche, Eiche, Fichte und Nussbaum Verwendung finden. Außerdem bietet die Tischlerei die Montage und Wartung von Fenstern und Türen jeder Art an. Eine wichtige Aufgabe ist dabei die Instandhaltung von so genannten „Altwiener Fenstern“. Diese bestehen aus zwei etwa 20 cm hintereinanderliegenden Holzfenstern, die einzeln nach innen zu öffnen sind. Diese Art der Kastenfenster ist sehr typisch für Wien und prägt das Stadtbild.
Auch heute, am 18. November, gehörte dies zu meinen Aufgaben. Gemeinsam mit einem Gesellen haben wir in einem prunkvollen Altbau eine Balkondoppeltür nach Kastenbauart, welche sich nur noch schwer bewegte und nicht mehr richtig schloss, repariert. Die beiden inneren Flügel hatten sich gegeneinander verzogen und mussten im Falz nachgeschliffen werden. Anschließend haben wir alle Flügeln abgedichtet und alles funktionierte wieder einwandfrei. Dann folgte eine Mittagspause von 45 Minuten.
Nach der Mittagspause habe ich zurück in der Werkstatt Rahmen mit einer Schlitz-Zapfenverbindung hergestellt, aus denen eine Kiste für Späne entstehen soll. Danach habe ich mit einer Druckluftspritzpistole Profilbretter lackiert.
Nach nun fast drei Wochen Arbeiten in Wien, kann ich sagen, dass es eine besondere und sehr interessante Erfahrung für mich ist. Es ist spannend zu sehen, wie hier in Österreich gearbeitet und speziell in Wien trotz Hektik einer Großstadt, dank Wiener Gelassenheit, sehr gute Arbeit geleistet wird.
Auf dem ersten Foto ist der Altbau mit der Balkontür zu sehen. Er befindet sich im 18. Bezirk und wurde 1904 erbaut.
Auf dem zweiten Foto bin ich beim Putzen (Holzoberfläche mit Hobel und Schleifpapier glätten) der Rahemstücke für die Kiste zu sehen.
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