Donnerstag, 19. November 2009

Ein Arbeitstag auf dem Reiterhof

Fünf Mal in der Woche fahre ich ca. 50 Min. mit dem Bus in einen kleinen Vorort von Bordeaux, zum „Centre Equestre Municipal UCPA“. Das ist der Reiterhof, wo ich für drei Wochen mein Praktikum sowohl im Stall als auch im Sekretariat mache. Die erste Woche ist jetzt vorbei, und ich kann zusammenfassend sagen, dass es mit dort sehr gut gefällt. An meine allerersten Eindrücke von dem Hof kann ich mich noch sehr gut erinnern, denn ich war allein schon vom Äußeren ein wenig überwältigt. Nachdem man durch ein Tor geht, erblickt man ein Gebäude, das aussieht wie ein kleines Schloss. Rechts davon ist der Stall und links die Reithalle. Dahinter sind eine große Wiese, mehrere Auslaufmöglichkeiten für Pferde, ein großer Springplatz, ein Dressurplatz und ein Ausreitgelände. Ich glaube, für diese Gegend ist dieser Reiterhof mit seinen 10 Angestellten schon ganz schön groß. In dem Stall befinden sich 18 Shettys, 20 Ponys und 18 Pferde, die für Reitstunden zur Verfügung stehen. Der Reiterhof bietet Unterricht für Kinder und Jugendliche an, die sogar nach bestimmter Zeit die Möglichkeit haben, ein Abzeichen zu machen. Außerdem gibt es auch Angebote für Babys und Schulen. Zusätzlich ist es möglich, an Ponyspielen teilzunehmen.
Um 10 Uhr beginnt mein Arbeitstag. Zuerst bringen wir Pferde und Ponys auf die Weide. Danach streuen wir frisches Stroh in die Boxen und fegen die Stallgassen. Bevor wir mehrere Ponys für Kinder aus der Schule fertig machen, bekomme ich Reitunterricht vom Chef. Wohlgemerkt auf Französisch, was für mich nicht immer ganz so einfach ist, da ich die vielen Fachbegriffe nicht kenne, aber Tag für Tag immer mehr dazulerne. Nach einer Mittagspause kommt um 2 Uhr eine Schulklasse. Sie wird in 3 Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe bekommt Reitunterricht von einer Reitlehrerin, die andere macht mit einer Lehrerin der Schule Ponyspiele und die letzte Gruppe bekommt Theorieunterricht. Die Gruppen wechseln innerhalb von 2 Stunden so, dass jedes Kind alle Stationen durchlaufen muss. In der Halle helfe ich den Kindern beim Aufsteigen und im Stall gucke ich zu, wie den Kindern die Theorie des Reitens vermittelt wird. Sie lernen zum Beispiel, wie man ein Pferd putzt, sattelt, trenst und wie die einzelnen Körperteile eine Pferdes heißen. Wenn die Kinder dabei Probleme haben und Hilfe benötigen, ist es meine Aufgabe, ihnen zu helfen. Meistens stelle ich mich ihnen kurz vor, sage, dass ich aus Deutschland komme und bitte sie, langsam mit mir zu sprechen.

Von 18 bis 20 Uhr sitze ich mit zwei anderen Frauen im Sekretariat. Dort darf ich im Moment noch nicht so viel machen, sondern mehr zuschauen, wie mit dem Computer gearbeitet wird und was bei Kundenwünschen zu tun ist. Im Computer ist alles festgehalten, was in Bezug auf Reitschüler und Pferde wichtig ist. Zum Beispiel wirdvermerkt, wann welches Pferd/Pony/Shetlandpony von wem geritten wurde und welche Kinder in welcher Art von Unterricht reiten. Außerdem sind alle Daten der Pferde erfasst. Von Zeit zu Zeit klingelt das Telefon, und oft kommen Eltern herein, die ihre Kinder für eine Prüfung oder Reitunterricht in einer bestimmten Niveaustufe anmelden wollen.
Meine Arbeitskollegen sind alle sehr nett zu mir und erklären mir auch gerne mal etwas öfter, wenn ich es nicht sofort verstehe. Mein Chef sagt immer zu ihnen, dass sie ganz viel mit mir sprechen müssen, damit ich selber viel rede und meine französischen Sprachkenntnisse verbessern kann.


Charlotte Hengemann

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